„France is a reliable partner, one which believes in dialogue and co-operation.“
Mit diesen Worten kam Emmanuel Macron im Mai 2025 in Hanoi an. Es war der erste Staatsbesuch eines französischen Präsidenten in Vietnam seit zehn Jahren und doch wirkte es, als wäre er dort Dauergast.
Warum? Macron ist Charmeur durch und durch! Beim Staatsbesuch macht er nicht direkt Politik. Er setzt zunächst auf den Aufbau von Vertrauen und Nähe in der französisch-vietnamesischen Beziehung. Zu Beginn also kein Wort von Vereinbarungen, Deals oder der offensichtlichen politischen Nähe zu Moskau oder Beijing. Stattdessen Lächeln, Winken und die Hände etlicher freudiger Vietnamesen schütteln. Gleichzeitig ein Empfang von Präsident To Lam mit Begrüßungszeremonie und den Nationalhymnen beider Länder, gespielt von der Militärkapelle.
Auch in den Verhandlungen bleibt Macron der klassische Charmeur. Er lobte die bilateralen Beziehungen beider Länder und führte gute Gespräche mit hochrangigen Delegationen. Zum Ende des Staatsbesuches pflanzten er und Präsident To Lam einen Freundschaftsbaum an der Reliquienstätte von Präsident Ho Chi Minh.
Es stellt sich die Frage: „Warum?“. Wäre ein nettes „Hallo“ und ein kleines Mittagessen nicht ausreichend gewesen, um danach direkt in die Verhandlungen und Absprachen zu möglichen Deals einzusteigen? Politiker von hohem Rang sind schließlich viel beschäftigte Leute.
Der Verhandlungstyp: Charmeur
Die Frage lässt sich klar mit Nein beantworten! Nach einem Jahrzehnt brauchte es nun genau das. Jemanden, der die Beziehungsebene aufwärmt und zwischenmenschliche Kommunikation betreibt. Der Charmeur ist ein Verhandlungstyp, der nicht auf Konfrontation setzt, sondern auf Verbindung. Er gewinnt Menschen durch seine Ausstrahlung, seine Präsenz, sein echtes Interesse.
Er schafft ein Klima, in dem Vertrauen wachsen kann. Er hört zu, liest Zwischentöne, reagiert empathisch. Für ihn ist Fortschritt keine Frage von Druck, sondern von Beziehung. Er baut stabile Grundlagen, auf denen sich später auch harte Fakten verhandeln lassen. Und genau darum ist er in solchen Situationen unverzichtbar.
Ein Charmeur ist kein Entertainer!
Doch so nett dies auch scheinen mag, ein Charmeur macht das nicht aus bloßer Höflichkeit. Auch Charmeure sind Diplomaten und Diplomaten sind Vertreter ihrer Interessen. Er wärmt also die Beziehungsebene auf, weil genau dort die Basis für alles Weitere liegt. Ohne Vertrauen gibt es keinen Fortschritt in den Verhandlungen. Ohne Verbindung kein echtes Zuhören. Der Charmeur schafft ein Klima, in dem sich Menschen öffnen, Ideen teilen, Kompromisse denkbar werden.
So entsteht diplomatische Nahbarkeit. Das erleichtert Gespräche selbst dann, wenn die Interessen auseinandergehen. Es sorgt dafür, dass Missverständnisse gar nicht erst eskalieren. Der Charmeur ist damit kein bloßer Unterhalter. Er ist Beziehungsarchitekt. Einer, der Verhandlungen durch Vertrauen, Authentizität und Charme langfristig erfolgreich macht.
Ob dieses Verhalten am Ende gefruchtet hat? Ja! Macron bekam, was er wollte … und davon nicht zu wenig: Verträge über zehn Milliarden Dollar, von Luftfahrt bis Energie!
Auch wenn kaum einer von uns Teil geopolitischer Krisen ist, verhandelt doch jeder von uns, und das täglich! Ob im Unternehmen, in Partnerschaften oder komplexen Projekten. Dabei kann es entscheidend sein, den eigenen Verhandlungsstil zu kennen, um ihn in Debatten gezielt einzusetzen und so noch wirkungsvoller agieren zu können.
Autorin: Lea Kautz