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Wer macht den Kanzler?

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Es ist doch immer wieder spannend nach einer Wahl zu sehen, dass Politiker interpretieren, sie hätten einen klaren Regierungsauftrag, obwohl 75% der Bürger sie nicht gewählt haben.

Die Elefantenrunde hat am Wahlabend wieder einige Statements dazu geliefert. Wirklich interessant wurde es am Wahlabend bei den Tagesthemen extra um 21.15 Uhr, moderiert von Caren Miosga, mit Robert Habeck von den Grünen und Johannes Vogel von der FDP.

Im Gegensatz zur Elefantenrunde war hier zu sehen und zu hören: Ein gesunder Pragmatismus, Klarheit in den Aussagen, eine gute Beziehung unter den Verhandlungspartnern und die Kompetenz, zu erkennen, was es wirklich braucht: Die Entwicklung einer gemeinsamen Identität, um Deutschland voranbringen zu können. 

Bitte was? Eine gute Beziehung der (möglichen) Verhandlungspartner? 

Woran das nonverbal zu erkennen war:

Minute 3:44

Aussage von Frau Miosga: „Zwei Parteien, die sich in der Vergangenheit nicht unbedingt grün waren und nun wohl in einer gemeinsamen Koalition regieren“. 

Robert Habeck zeigt in diesem Moment emotional erlebte Freude. Hochziehen des großen Jochbeinmuskels als auch die Kontraktion des äußeren Augenringmuskels. Erfolgt diese mimische Bewegung, findet automatisch ein Dopamin-Ausstoß in unserem Körper statt. Dopamin ist ein sogenanntes Glückshormon, das sich dann zeigt, wenn wir uns in einem Zustand freudiger Erwartung befinden. Freudiger Erwartung auf was? Den möglichen gelben Partner?

Minute 8:20

Aussage von Johannes Vogel zu den Wahlentscheidungen der Erstwähler und der unter 30-jährigen (bei den Erstwählern liegt die FDP an der Spitze und bei den unter 30-jährigen sind die Grünen vorn): „Es zeigt, dass von ganz unterschiedlichen Ecken kommend, auch bei unterschiedlichen Grundüberzeugungen bei manchen Fragen, ein gemeinsamer Zukunftswille ist. Das ist eine Chance, das könnte eine Basis sein.“ 

Johannes Vogel zeigt an dieser Stelle beidseitiges Hochziehen der Augenbrauen mit einer Kopfbewegung nach vorne – die nonverbalen Core-Movements der Emotionsfamilie Interesse. Hinter dieser Emotion steht das Bedürfnis nach kreativer Entwicklung. Ein weiterer Hinweis darauf, die Dinge anpacken zu wollen. 

Minute 8:41

Aussage von Caren Miosga: „Bei der FDP seien Steuererhöhungen immer rote Linien und Probleme gewesen. Aber jetzt sagte Christian Lindner, das seien keine roten Linien, sondern dornige Chancen.“

Sowohl bei Johannes Vogel als auch bei Robert Habeck ist wieder die Kontraktion des äußeren Augenringmuskels wie auch das Hochziehen des großen Jochbeinmuskels zu sehen und Lachen zu hören. Sie schauen sich dabei in die Augen. Damit ist bei beiden emotional ausgelöste Freude vorhanden. Die Funktion hinter emotional ausgelöster Freude ist Kooperation, womit klar ist, dass Gelb wohl etwas grüner und Grün, etwas gelber wird.

Was die „erste Reihe“ der Parteien nicht konnte/durfte oder wollte, hat die „zweite Reihe“ der Parteien auf den Punkt gebracht. Kooperation statt Konfrontation, gepaart mit einer

großen Portion Kreativität und Pragmatismus ist notwendig, um unser Land voranzubringen. Eine gute Basis für die anstehenden Verhandlungen.

Freuen wir uns darauf und auf das Erleben, dass die Rolle „Kanzler“ nicht von den Fordernden entschieden wird. 

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Videoanalyse.

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Herzlichst

Ihre
Wiebke Marschner

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